![]() (c) Sophia Pakenier |
von Verena Finkenstedt
Illustration von Sophia Pakenier
Barcelona, Raval. Auf knapp zwei Quadratkilometern drängen sich legal fast 40 000 Menschen. Illegal sind es noch einmal an die 20 000 mehr – der Großteil davon Immigranten aus Pakistan. Ravalistan nennen die einheimischen Katalanen und Spanier ihr Viertel mittlerweile, teils scherzhaft, teils verbittert. Das Zusammenleben mit den Neuankömmlingen fällt den 'gent de tota la vida', den Nachbarn, die ihr ganzes Leben im Raval gewohnt haben, nicht leicht. Vor allem der Wandel im Stadtbild erregt Besorgnis und Neid. Die traditionellen Bodegas, Bars und Geschäfte weichen pakistanischen halal-Metzgern, Restaurants, Internetcafés und Handy-Läden. Und DVD-Clubs mit ihren schreiend bunten Filmplakaten. Aus Autos, Geschäften und Restaurants dröhnen die Soundtracks von Kal Ho Naa Ho und Kabhi Khushi Kabhie Gham. Welcome to Bollywood, forget about Europe. Hier beginnt eine andere Realität.
Eine Realität gekennzeichnet durch Kulturschock, Ablehnung von Seiten der katalanischen und spanischen Bevölkerung, Ausbeutung – auch durch die eigenen Landsleute –, katastrophale Wohnverhältnisse und den ständig präsenten Druck der Illegalität, Alltag der männlichen Arbeitsmigration. Heimweh und die Trennung von Familie und Freunden tun das ihrige dazu. Eltern, Frauen und Kinder bleiben fast immer zurück. Erst nach fünf Jahren legalen Aufenthalts ist es Immigranten in Spanien erlaubt, die Familie nachzuholen. 'Barcelona pone la cara dura' – die Stadt heißt Immigranten nicht willkommen. Und nach den Attentaten des 11. März 2004 in Madrid wissen die Moslems unter ihnen, auch die Pakistanis des Raval, was das bedeutet.
In diesem Kontext gewinnt Kino eine neue Dimension: es stärkt Identität und Selbstwertgefühl, vermittelt Heimat und schenkt für ein paar Stun-den Vergessen. Seltener, aber doch, schlägt es sogar eine Brücke zwischen Immigranten und Einheimischen.

