![]() (c) Sabine Lorenz |
von Helmut Groschup,
Illustration von Sabine Lorenz
Die fünf Töne am Beginn des Films The Godfather des Italo-Amerikaners Francis Ford Coppola schaffen den Raum für die historischen Zusammenhänge des Films. Es geht los und es geht jedes Mal wieder los, wie wenige Filme gibt es, die wir öfter ertragen, wie wenige Filme gibt es, deren Bilder bleiben. Der starke Auftritt von Marlon Brando als Don Corleone am Beginn der Mafia-Trilogie ist so eine Szene, die mir geblieben ist, die ich immer wieder ertragen will. Die Musik, ›The Godfather Waltz‹ von Nino Rota, weist die Richtung. Der Walzer gehört zum Paten, der Pate tanzt mit der Tochter den Walzer, sein einziger Auftritt unter den Hochzeitsgästen. Der Pate ist sonst nur parallel zu den ›canzonette‹ sichtbar, die die Hochzeitsgäste zum Tanzen bewegen. Drinnen das Thema von Nino Rota - draußen ›Connies Wedding‹ von Carmine Coppola. Draußen ist der Sound Teil der Handlung - nach drinnen dringtdie Sizilianische Pastorale nur ganz leise.
Die Musik ist wie ein politischer Kommentar, sie bringt die Szenen in Zusammenhang: die italienische Herkunft, der amerikanische Einfluss, die italienische Minderheit in den USA; der Sound leitet die Szenen ein, keine Erklärungen mehr nötig, jeder erkennt die Herkunft der Melodien. Die traditionelle italienische Musik einerseits verweist auf die Verwurzelung in italienischen Traditionen wie Machismo, Familienbande und Jahrmarktssituationen. Der Swing des amerikanischen Sängers Johnny verweist anderseits auf die Widersprüchlichkeit, die eine Entfernung von den Traditionen, Militär und Hollywood ankündigt.
Der Einsatz der Musik ist dezent in The Godfather, das Themades Paten wird variiert und verfremdet, es erzeugt Spannung und transportiert Botschaften, der Sound verrät den Absender. Musik dient als Vorankündigung von Action: es wird was passieren, der Raum-Zeitstrom wird beschrieben, Figurenwerden zusammengezogen: des Paten Netzwerk, die Verschwörung. Der Zuschauer wird eingelullt und verstrickt indie Handlung. Nahe an der Mafia bleibt man immer wieder durch das Thema: Verwurzeltheit, Kindheit, Traurigkeit;der Pate stirbt. Beim Anhören des Original Motion PictureSoundtracks auf CD kommen die Bilder zurück, meine Tochter dreht die kleine Orgel mit dem Paten-Thema und ich höre Marlon Brando sagen: ›You never called me godfather‹.

